Mit Freude bei der Sache
Ein motiviertes Pferd ist aufmerksam, lernfreudig und beweglich. Dopamin spielt dabei eine zentrale Rolle. Es beeinflusst, wie Reize aufgenommen werden und wie lange die Konzentration anhält, so dass erfolgreiches Lernen gelingt.
Im Alltag zeigt sich dies optimal wie folgt: Ein ausgeglichenes Pferd wirkt wach und aufgeschlossen. Es zeigt Spielfreude, reagiert interessiert auf Menschen, Artgenossen und kann sich auf Aufgaben einlassen. Ebenso kann es zur Ruhe kommen, um Eindrücke angemessen zu verarbeiten.
Verliert es jedoch rasch den Fokus, wirkt müde oder reagiert verzögert, liegt die Ursache häufig im neurobiochemischen Zusammenspiel von Stress- und Glückshormonen.
Wo Dopamin entsteht
Dopamin wird aus der Aminosäure Tyrosin gebildet. Sie stammt aus eiweissreicher Nahrung und kann auch aus Phenylalanin gebildet werden. Damit Tyrosin verfügbar ist, braucht es eine funktionierende Verdauung, eine aktive Leber und ausreichende Proteinverwertung. Veränderungen in diesen Bereichen wirken sich früh auf die weitere Kaskade aus.
Entscheidende Punkte in der Bildungskaskade
Ausgangsstoff ist die Aminosäure L-Tyrosin, aus der zunächst L-DOPA gebildet wird. Dieser Umwandlungsprozess bestimmt massgeblich, wie viel Dopamin dem Körper später zur Verfügung steht. Gleichzeitig müssen dafür mehrere Co-Faktoren vorhanden sein, darunter Eisen, Vitamin B6 in aktiver Form, BH4, Sauerstoff und Magnesium.
BH4 auch bekannt als Sapropterin, ist ein körpereigenes Coenzym aus dem Folatstoffwechsel. Folat ist die natürliche Form von Vitamin B9, die über die Nahrung aufgenommen und im Körper weiterverarbeitet wird. Nur wenn alle beteiligten Stoffe ausreichend vorhanden sind, kann dieses fein abgestimmte Zusammenspiel optimal funktionieren.
Im nächsten Schritt wird L-DOPA zu Dopamin umgewandelt. Auch hierfür sind bestimmte Mikronährstoffe erforderlich wie Vitamin B6, Zink und Magnesium.
Wenn all diese Voraussetzungen erfüllt sind, kann der Körper Dopamin effizient bilden.
Wachstum, Training und Stress erhöhen den Bedarf dieser wichtigen Vitalstoffe! Dopamin bildet zudem die Grundlage für weitere Botenstoffe wie Serotonin, Melatonin, Noradrenalin und Adrenalin. Dadurch beeinflusst es Wachheit, Muskelspannung und Reaktionsbereitschaft.
L-Phenylalanin und L-Tyrosin dienen im Körper als Ausgangsstoffe für weitere biochemische Prozesse, wie z.B. die Bildung von Schilddrüsen-Hormone. Werden diese Aminosäuren in einer Kaskade stark beansprucht oder stehen dort funktionell eingeschränkt zur Verfügung, verschiebt sich die Versorgung an anderer Stelle. Solche Engpässe wirken sich weiter fort und betreffen mehrere Systeme gleichzeitig.
Abbau von Glücks- und Stresshormonen
Ebenso wichtig ist der Abbau von Dopamin. Dieser wird über spezifische Enzymsysteme gesteuert und ist abhängig von B-Vitaminen und Magnesium, der Schlaf- und Ruhequalität und aktuellen Belastungen. Der Abbau von Dopamin und den Katecholaminen Adrenalin und Noradrenalin wird hauptsächlich über das Enzym Monoaminoxidase (MAO gesteuert). Die entstehenden Abbauprodukte scheidet der Körper überwiegend über den Stoffwechsel und zu einem kleinen Teil direkt über die Niere aus.
Das ausgeglichene Pferd
In der Praxis zeigen sich häufig Verschiebungen im gesamten Vitalstoff- und Dopaminstoffwechsel mit weitreichenden Konsequenzen. Blutwerte liegen selbst in Stress- oder Krisenphasen oft im Referenzbereich und wirken unauffällig. Die Reserven im Hintergrund sind jedoch erschöpft und reichen kaum aus, um alle beteiligten Bildungssysteme gleichzeitig zu versorgen.
Beim Pferd zeigt sich dies wie anfangs beschrieben im Verhalten. Es wirkt häufig motivationsloser, ermüdet schneller, kann seine Aufmerksamkeit nur kurz aufrechterhalten oder reagiert bei gewissen Anforderungen oder sowie bei Begegnungen mit Artgenossen deutlich gestresst. Bleiben diese Belastungen über längere Zeit bestehen, können Befindlichkeitsstörungen oder Verhaltensauffälligkeiten entstehen. Diese beeinflussen nicht nur hormonelle Prozesse, sondern wirken sich langfristig auch auf das Seelenwohl und allgemeine Wohlbefinden des Hundes aus.
Eine gut verträgliche Fütterung, die gezielte Versorgung mit relevanten Mikronährstoffen sowie ein grundlegendes Verständnis hormoneller und neurobiochemischer Zusammenhänge bilden hier die entscheidende Grundlage.
In der Praxis erhalten insbesondere die Bildung und das Zusammenspiel von Hormonen und Neurotransmittern oft zu wenig Aufmerksamkeit. Genau hier setzt mein fachlicher Schwerpunkt an, um Pferde gezielt und individuell zu unterstützen.
Klingt dieses Thema bei dir und und möchtest du meine Unterstützung? Melde dich gerne bei mir.